Day 4, Mil Cumbres und Guanajuato

Heute habe ich lang und gut geschlafen und frische Wäsche anziehen können – ein guter Start in den Morgen 👍(und geistig bin ich auch wieder frisch).

Mexiko hat sich gegenüber 2014 weiterentwickelt. Es ist viel weniger Polizei auf den Straßen und die Telekommunikation ist auch deutlich besser geworden. Wenn ich an die erste Tour zurück denke – Horror. Heute funktioniert das anders und ich hoffe, dass die Bilder und Videos auf unserer Facebook Seite helfen, den Spirit der Carrera zu vermitteln.
Vom Ergebnis her liegen wir hinter unseren Erwartungen. Man (ich) könnte um einiges schneller fahren, wenn man – wie viele der Teilnehmer – vorher trainiert und sich eigene Aufzeichnungen für das Roadbook macht. Aber wir sind für das Erlebnis hier, für den Spaß, und den lassen wir uns nicht nehmen, nur weil wir vierter, fünfter oder sechster sind.
Vor allem aber: Der Heinz hatte einen Hochgeschwindigkeitsdreher um 480 Grad (nix passiert), habe einen Mini Totalschaden im Wald gesehen (Video davon gibts irgendwo auf youtube), einen zweiten Porsche Totalschaden, einen Mazda, der 20 Meter oberhalb der Straße am Berg pickte, der Notarzt-Hubschrauber, der einen Teilnehmer nach México City fliegen musste, und, und, und. Ich kann und will mein Hirn nicht ganz ausschalten, will Spaß haben, schnell fahren, aber vor allem gesund wieder heim kommen.
Denn trotz allem ist dies hier kein Kindergeburtstag. Wir fahren schon wirklich flott durch die Landschaft und auf teilweise schlechten Straßen. Es ist unglaublich, was das Material aushält, z.B. die Reifen. Es sind ja nur wenige Quadratzentimeter, die den Kontakt zur Straße halten und 1.500 kg (+/-) steuern. Und von tiefen Gräben abhalten: Die erste oder zweite SP heute wäre beinahe unsere letzte geworden. Am Ausgang der Kurve war ich etwas zu schnell und konnte das Auto gerade noch so auf der Straße halten. Drei, vier Zentimeter weiter links und wir waren in einen tiefen Graben gerutscht. Das wäre wohl nicht so schlimm geworden, aber mittendrin lag ein großer Felsblock. Und der hätte das Fahrgestell auseinander gerissen. Gott sei Dank: Der Reifen hat gehalten und nix ist passiert. Aber in meinem nächsten Leben möchte ich kein Reifen sein 😁.
Was mittlerweile kaputt ist, ist unser Tripmaster. Der zeigt sehr genau Entfernungen, Geschwindigkeit, Seehöhe, etc an. Ist zwar lästig beim Navigieren, aber wir kommen trotzdem durch.
In der dritten SP wollte ich dann doch mehr dem Alex zuhören (meine Frau sagt immer, zuhöhren ist eine große Schwäche von mir). Rechts 0, Links 0, Rechts 0, Links 0, Rechts 0 – und aus. Übersetzt heißt das: Leichte Rechtskurve sehr schnell, leichte Linkskurve sehr schnell, leichte Rechtskurve sehr schnell, leichte Linkskurve sehr schnell, enge Rechtskurve langsam – Fehler im Roadbook! Nach der dritten Kurve wollte ich ihm vertrauen, die vierte ging gut und bei der fünften sagte mein Instinkt: Da passt was nicht. So war es auch und ich werde also doch weiter auf Sicht und Instinkt fahren und die Anweisungen von Alex als Vorabinformation verarbeiten. Wobei: Der Alex macht einen super Job, nur das Roadbook passt oft nicht. Manchmal kann er mir über 10-15 Kurven nichts ansagen, weil es einfach nicht passt. Aber da kann er nichts dafür.

Wofür er was könnte: Überflüssige 4 km 😂😂😂. Bei einem kurzen Stop zum Helm ausziehen hat er seinen Gurt mit Pass, Geld, etc. aufs Dach gelegt. Jeder kann sich vorstellen, was passierte. Ein freundlicher Mexikaner hat ihn im Staub gefunden und schon auf uns gewartet. Wie überhaupt die Leute sehr freundlich, nett und hilfsbereit uns gegenüber sind. Ich kann von keinen negativen Erfahrungen erzählen. Anders ging es einem Team aus Bayern. Denen wurde während eines kurzen Tankstops des Begleitfahrzeugs der Wagen ausgeräumt. Keine Papiere mehr, Pass weg, Geld weg, richtig unangenehm.

Wieder zurück zu unserem Tagesablauf. Beim Servicepoint nach den ersten drei SP des Tages bin ich bei der Zeitkontrolle wieder von Fernando erwartet worden. Er reichte mir einen frisch gegrillten mexikanischen Burger ins Auto und rettete mir damit das Leben. Alex wollte wieder nichts, außer viel trinken. Anschließend ging es heute etwas gemütlicher mit 140 km/h weiter – ich wollte irgendwie nicht so recht. Bis es dann aber doch zu langweilig wurde und wir wieder Gas gegeben haben. Ich wollte auch einer Gruppe Studebakers folgen, aber diese Monster sind so schnell, wir hatten keine Chance.
Das Auto hält brav, nur die Steinschläge auf der Innenseite lassen den Lack auf der Außenseite aufplatzen. Aber das ist kein Thema für hier, da wird sich der Kölbl Karl drum kümmern müssen.

Dann einer der (vielen) Höhepunkte der Rallye: Die Zielankunft in Guanajuato durch viele Tunnels. Dieses Jahr hätte ich den Weg sogar alleine gefunden, denn ich konnte mich noch an letztes Mal erinnern. Wieder massenhaft Leute in den engen Straßen, eine tolle Stimmung. Und 50 Meter vor dem Zielbogen lässt sich das Getriebe nicht mehr schalten. Keine Panik, aber … Wir hoffen, dass sich lediglich das Schaltgestänge gelockert hat. Bis zum Ziel (40 Meter, 1,5 Stunden!) und dann zum Hotel/Servicepoint werden wir es aber wohl schaffen.
Heute habe ich den Trachtenanzug an und werde von sehr vielen Zuschauern, aber auch Fahrern darauf angesprochen. Alle sind begeistert 👍.

Zeitsprung! Wir sind am Servicepoint angelangt. Das Getriebe ist ok, eine Schraube am Schaltgestänge hat sich gelockert und alles blockiert. Immerhin sind wir in den ersten SP’s mehrere Male aufgesessen, da man entweder von einer Kurve in die nächste springt oder aber von Bodenwellen durchgeschüttelt wird.
Nachdem es heute auch kein offizielles Abendessen gibt, ist der Abend also gerettet.