Day 7, Ein höllischer Tag

Heute war der letzte Tag. Der Wecker klingelte um Uhr 05.15 und dann ging es mit dem Taxi zu unserem Mustang. Im stockfinsteren sind wir dann rund 30 km zum Startpunkt gefahren, von dem aus eine 200 km lange Verbindungsetappe Richtung Durango begann. Nachdem es nur eine VE war, sind alle gleichzeitig (schon in Reihe) losgefahren und wir hatten eine Höllenfahrt über Autobahn und Landstraße.
Nach 40 km ist mir dann durch das offene Femster bei 180 km/h der Rest einer Fliege, die sich wohl am Außenspiegel zerstört hat, in meinem linken Auge eingeschlagen. Das hat mich dann 70 km lang beschäftigt, bis eine andere Abwechslung kam: Die Voltanzeige fiel und fiel. Licht aus (im Dunkeln auf der Autobahn nicht so zu empfehlen) und alle anderen Verbraucher aus und hoffen, dass wir es bis zum außertourlichen (Zwischen-) Service schaffen. Kurz vor dem Service mussten wir noch tanken, aber die Tankstelle hatte keinen Sprit. Auto anschieben, nächste Tankstelle. Von dort dann ohne Navi einem BMW gefolgt – das war der zweite Höllenritt. Zick Zack volles Rohr durch den Frühverkehr.
Beim Service hat der Gerhard dann eine neue Batterie montiert, die sollte inkl. SP bis zum richtigen Service halten. Dort sollen wir dann eine neue Lichtmaschine bekommen. Auch eine der drei Benzinpumpen hat er stillgelegt, um Strom zu sparen. Die Freude über den gestrigen dritten (Tages-)Platz und Platz 3 in unserer Klasse weicht momentan dem Stress und der Nervosität, ob das Auto, was bisher super funktioniert hat, auch wirklich hält.
Später mehr.

Die ersten beiden SP sind wir super gefahren. Strom war ausreichend und die Strecke geil. Jetzt sind wir im Service. Voller Stress bei allen, dass wir die Elektrik in den Griff kriegen. Lichtmaschine ausgetauscht, aber das war doch nicht das Problem. Zum Schluss hat sich rausgestellt, dass sich eine Kabelklemme abvibriert hat und es deswegen die Probleme gab. Der Starter hat zwar noch immer nicht funktioniert (also immer Auto anschieben), aber wir konnten wieder fahren. Aufgrund der Zeitnot könnte die nur provisorisch repariert werden, aber ich konnte mit ein paar Minuten Verspätung doch noch losfahren. Der Alex ist zwischenzeitlich schon zum Starter vorgegangen und ihm erzählt, dass mich Montezumas Rache erwischt hat und es doch traurig wäre, wenn wir nun wegen meinem mexikanischen Durchfall als Europäer das Rennen verlieren würden.
Der Schmäh ist durchgegangen und wir haben keine Strafzeiten bekommen. Jetzt mussten wir auf der VE nur noch die fehlenden Minuten gutmachen und die richtige Startreihenfolge herstellen. Das war der nächste Höllenritt. Mit 200+ durch Baustellen, durch Tunnels, etc. Kommentar Beifahrer: Bist Du deppert, das war grenzwertig“. Es waren nur die Straßen schlecht, Verkehr war kaum einer (die Polizei hat den Gegenverkehr vor jeder Baustelle für eine Stunde gestoppt). Nix ist passiert, die Startreihe hat wieder gestimmt. Dort gab es wieder eine Verzögerung, daher durften wir 15 min. mit laufendem Motor bei 25 Grad warten.

Auf der folgenden 16 km langen SP ist uns dann mittendrin kurzfristig der Strom ausgegangen. Mit stehendem Motor sind wir neben der Strecke ausgerollt, wobei neben der Strecke nicht die Strecke beschreibt: Auf 2.500 Meter Seehöhe eine Passstraße mit Abgründen rechts von teilweise bis zu 400 Metern. Direkt neben der Straße (Rennpiste!). Glücklicherweise war genau an dieser Stelle eine kleine Schotterausbuchtung, steil bergaufwärts. Wir haben einfach probiert, den Stromschalter aus und wieder einzuschalten und beim zurückrollen im Rückwärtsgang das Auto wieder anzustarten. Das ist sogar gelungen und obwohl wir de facto schon aus dem Rennen waren, schon neben der Piste gestanden sind, haben wir den Porsche vor uns (immer 30 sec. Start) noch fast überholt!
Die nächste SP mit dem Namen „Espinazo Del Diablo“ war fast 30 km lang und ist die anstrengendste, gefährlichste und berüchtigtste von allen SP’s in diesen 7 Tagen. Hier hatten wir über viele km Probleme mit der Benzinversorgung, der Motor setzte immer wieder fast aus und hatte keine Leistung. Dieses Phänomen hatten wir bei der gleichen SP auch schon das letzte Mal. Aber mit weh und ach haben wir es bis ins Ziel geschafft, auch hier wieder der Porsche in Sichtweite. Die SP trägt zurecht den Diablo im Namen!

Aber nicht nur wir hatten Probleme: Der Mustang hinter uns hat seine Kupplung zerstört und ein Mustang vor uns seinen Starter, aber es hat heute keine Unfälle gegeben (letztes Jahr sind mehrere Autos zwischen 30 und 300 Metern abgestürzt!).

Die dann folgende SP über 12 km begann wieder im totalen Chaos. Zu einer festgelegten Zeit muss man auf die Sekunde genau bei der Zeitnehmung stehen, dort wird die Startkarte abgestempelt, dann rollt man 100 Meter weiter zum Start und im 30 sec Rhythmus geht es dann los. Und just bei der Zeitnehmung ist der Motor abgestorben. Bergauf. Kei Starter. Hinter uns weitere Autos, sodass wir nicht zurück rollen konnten. Irgendwie haben wir dann doch drei, vier Autos später den Motor wieder anschieben können und sind gestartet. Aber halt nur irgendwie. Alex musste sich noch fertig anschnallen, das Roadbook nicht in der Hand, sodass schlussendlich düse Etappe jene war, in der ich am längsten ohne Ansage nur auf Sicht und Instinkt fahren konnte. Aber auch diese Etappe haben wir geschafft und sind zum zweiten Mal an diesem Tag zu unserem Service gerollt. Dort konnte dann in Ruhe das Elektroproblem erledigt werden und noch einmal etwas Sprit für die letzten 90 km getankt werden, denn für die rund 60 km Sonderprüfungen und die paar km VE dazwischen haben wir rund 70 Liter Benzin verbraucht!

Die dann folgenden letzten beiden SP haben noch einmal richtig Spaß gemacht und gefühlsmäßig waren wir auch wirklich flott. Wie flott, haben wir aber erst am Abend erfahren.
Und zum Schluss die Zieleinfahrt im Konvoi nach Durango – ein Highlight nach dieser langen Tour. Aber wir waren so erschöpft und müde, dass wir das gar nicht richtig wahrnehmen konnten. Dazu kam: Der Starter bzw. das Kabel hat wieder gesponnen und wir sind eine dreiviertel Stunde mit laufendem Motor inmitten von Menschenmassen gestanden. Mittlerweile habe ich eine Idee, wie sich ein Schmorbraten anfühlt.
Und dann endlich: Die Zielrampe. Aus, fertig, vorbei. Oder so: Der technische Kommissar versiegelte die Motorhaube und teilte uns mit, dass wir noch zu einer Kontrolle müssten. Und dann war er wieder weg. Keine Ahnung, warum, wann, wo. Jedenfalls wurde unser Wagen mit einigen anderen direkt neben der Rampe platziert. nach 1 1/2 Stunden Trubel gab es plötzlich Motorengeräusche – Abfahrt zur Kontrolle. Die verlief positiv, sodass Alex und ich endlich ins Hotel kamen, um uns für die Abschlussfeier fertig zu machen. Die sollte um 21.oo beginnen, um 22.3o füllte sich der Saal und um Mitternacht gab es die Siegerehrung. Trotz grober Probleme mit der Leistung, trotz Ausfall und Neustart in der dritten SP waren wir das zweitschnellste Team in unsrer Klasse und der schnellste Mustang overall! Und der nächste Pokal kam gleich anschließend: Gesamtergebnis „La Carrera Panamericana 2017“ Kategorie „Historische C“ dritter Platz.
Ein versöhnlicher Abschluss für einen wirklich harten Tag. Wie hart er war, kann man daran ermessen, das der Heinz am Tisch sitzend eingeschlafen ist. Wobei er zu verdauen hatte, dass ihm just beim überqueren der Zielflagge der letzten SP der Motor um die Ohren geflogen ist. Wirklich Pech, aber er ist doch noch knapp an die Top-Ten gesamt heran gekommen. RESPEKT!

Nachdem das Frühstück aus einer halben Packung Chips, das Mittagessen aus einem Cornetto-Eis und das Abendessen aus irgendetwas ungenießbaren bestanden hat, bin ich um 02.oo erschöpft und hungrig, aber heil und gesund ins Bett gefallen. Den auch wenn die Platzierung nicht ganz das ist, was wir uns vorgenommen hatten, das wichtigste Ziel haben wir erreicht: Ohne Unfall gesund und mit vielen tollen Erinnerungen an ein außergewöhnliches Rennen wieder heim zu kommen